Le Mans 1971 – Sieg mit Magnesium-Rahmen

Der zweite Sieg in der Le Mans-Geschichte von Porsche geht klar aufs Kontor der überlegenen 917. Doch niemand hat damit gerechnet, dass ein 917-Versuchswagen gewinnt. Die Sieger heißen Helmut Marko und Gijs van Lennep im Martini 917 Langheck.

Für 1970 und 1971 schließt sich Porsche-Chef-Stratege Ferdinand Piëch mit der „Gulf“-Mannschaft zusammen, die vom erfolgreichen britischen Rennleiter John Wyer geführt wird. Für die eingesetzten 917 bekommt Wyer die schnellsten Porsche-Werksfahrer zugeteilt: Jo Siffert und Pedro Rodriguez. Piëch, stets auf interne Konkurrenz bedacht, bringt aber noch weitere 917 an die Rennstrecken. Sie starten unter der Bewerbung von Porsche KG Salzburg und Martini Racing Team. Es ist jedoch ein offenes Geheimnis, dass hinter diesen Teams die Mitglieder der Porsche-Werksmannschaft stehen.

Die Armada der roten Werks-Ferrari fehlt 1971 in Le Mans. Der schnellste Ferrari 512M ist blau lackiert, kommt aus den USA und wird von dem späteren Porsche-Partner Roger Penske eingesetzt. Ins Ziel kommt er nicht. So sind sieben Porsche 917 von Wyer und dem Martini-Team die großen Favoriten. Zwei Experimente wagt Porsche bei diesem Rennen. Das eine ist der Einsatz des überbreiten 917/20, der wegen seiner rosaroten Lackierung „Sau“ getauft wird, aber durch Unfall ausfällt. Das andere ist der weiße Martini 917 mit Startnummer 22. Dahinter verbirgt sich eigentlich noch ein Versuchsfahrzeug. Die Fahrer Helmut Marko und Gijs van Lennep wissen nicht, dass ihr 917 als einziger über einen Magnesium-Rahmen und gelochte Bremsscheiben verfügt. Weil Piëch nicht glaubt, dass dieser 917 eine große Rolle spielen wird, lässt er an ihm die jüngsten Rennmonteure arbeiten.

Trotz einer eher ruhigeren Renntaktik fallen die schnellsten 917 aus. Nicht so die „22“ und der dritte Wyer-Porsche von Attwood und Müller. Piëch sorgt sich um seine Autos. „Einer von beiden sollte langsamer fahren“, lautet seine Überlegung. Als Marko davon hört, kommentiert er trocken: „Gute Idee, aber ich bin nicht der, der vom Gas geht!“ Im Ziel haben Marko und van Lennep 5335 Kilometer zurückgelegt, Durchschnittstempo: 222,304 km/h. Dieser Distanzrekord wird erst 2010 gebrochen.

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