Le Mans 1977 – Sieg des Fünfzylinder-Porsche

Bei den 24 Stunden von Le Mans siegt ein Porsche 936, der anfangs auf Rang 41 liegt. Doch dann beginnt die große Aufholjagd des Jacky Ickx. Und Jürgen Barth bringt schließlich den Porsche trotz eines Kolbenschadens sicher ins Ziel.

Das Jahr 1977 sollte ein großes Rennen zwischen Porsche und Renault werden. Wie im Vorjahr bringt der deutsche Sportwagenhersteller zwei 936 und einen 935 an den Start. Die Franzosen bieten sechs Fahrzeuge auf. Der trainingsschnellste Renault übernimmt die Führung, die Porsche halten gut mit. Doch dann verabschiedet sich zunächst der 935 von Rolf Stommelen und Manfred Schurti, wenig später der 936 von Jacky Ickx Henri und Pescarolo. Der dritte und letzte Porsche von Jürgen Barth und Hurley Haywood verliert wegen eines Tauschs der Benzinpumpe neun Runden und fällt auf Rang 41 zurück.

Technik-Vorstand Helmuth Bott gibt die Parole aus: „Solange gebetet wird, ist die Kirche nicht aus!“ Und er handelt. Jacky Ickx, der Le Mans-Sieger von 1969, 1975 und 1976, wird in den verbliebenen 936 gesetzt. In der Nacht fährt er Zeiten auf Trainingsniveau, unterbietet mehrfach den Rundenrekord. Nur selten lässt er sich von Barth ablösen, dann jagt der Belgier weiter durch die Nacht. Die klar führenden Renault müssen das Tempo erhöhen. Sie fallen einer nach dem anderen aus. Am Sonntagmittag beträgt der Vorsprung des Porsche 250 Kilometer, mehr als eine Stunde. Doch knapp eine Stunde vor Rennschluss kommt Hurley Haywood an die Box: ein Zylinder hat einen Kolbenschaden.

Laut Reglement wird ein Rennwagen nur gewertet, wenn er über die Ziellinie fährt. Ein zusätzliches Regelwerk besagt, dass die letzte Runde nicht langsamer sein darf als die vierfache Trainingszeit des betroffenen Fahrzeugs. Vor diesem Hintergrund entscheidet Rennleiter Peter Falk, dass Jürgen Barth mit einem nur noch auf fünf Zylindern laufenden Porsche zwei Runden zu fahren hat. Barth wird sogar eine Uhr aufs Lenkrad geklebt, damit er genau weiß, wann er ins Ziel kommen muss.

Barth gelingt der Coup. Jacky Ickx ist sich sicher: „Nie wieder habe ich eine solche perfekte Harmonie zwischen dem Wagen, den Piloten und dem Team erlebt. Bei Tagesanbruch war ich völlig verausgabt. Ich weiß auch, das ich nie wieder so gut gefahren bin wie bei diesem Rennen.“

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