Monza 1967 – Weltrekorde mit Hindernissen

Vier Schweizer Rennfahrer wollen 1967 Weltrekorde über viele Tage und Distanzen brechen. Zunächst scheint das Projekt im Oktober 1967 in Monza zu scheitern. Dann hilft Porsche aus und schickt zwei 911 R nach Italien.

Bei einem Glas Bier überlegen der kommende Porsche-Rennleiter Rico Steinemann und sein Kollege Dieter Spoerry im Sommer 1967, wie man den Winter sinnvoll verbringen kann. „Weltrekord“ lautet das Stichwort, das den beiden einfällt. Diese Marken sollen auf dem Oval von Monza fallen: 15.000 Kilometer, 10.000 Meilen, 20.000 Kilometer, 72 und 96 Stunden. Als Fahrer stoßen zu Steinemann und Spoerry der Porsche-Werksfahrer Jo Siffert sowie Charles Vögele. Das Auto: Vögeles privater Porsche 906 Carrera 6 in BP-Lackierung. Der Mineralölhersteller will die Leistungsfähigkeit eines neuen Motorenöls demonstrieren und übernimmt die Organisation der Veranstaltung. Hinzu kommt die Unterstützung von Fachleuten aus der Porsche-Rennabteilung. Am Sonntag, 29. Oktober, um 12 Uhr nimmt Siffert die Rekordfahrt auf. Doch den Steilkurven mit ihren vielen Schlaglöchern ist der filigrane Sportwagen nicht gewachsen. Nach dem dritten Defekt an der Vorderachse wird der Weltrekordversuch abgebrochen. Die einzige Chance: Wenn der Weltrekordversuch innerhalb von 48 Stunden wieder aufgenommen wird, ist das Ergebnis gültig.

Nach einem Anruf von Rico Steinemann in Stuttgart wird unter Leitung von Technikvorstad Helmuth Bott ein Krisenstab gebildet. Die Idee: Statt des 906 soll ein robuster Porsche 911 R eingesetzt werden. Ein nach vielen Prüfstandstunden neu aufgebauter Motor steht bereit. In ein Getriebe werden zwei fünfte Gänge eingebaut, ein Zahnradpaar könnte die Volllastbelastung nicht überstehen. Für ein Ersatzteilkontingent ist die Zeit für die Zollformalitäten zu kurz. Als rollendes Ersatzteillager soll ein zweiter 911 R nach Monza gefahren und dort zerlegt werden. Der erste 911 R wird vom Schweizer Zoll nicht nach Monza durchgelassen. Kommentar der Zöllner: „Der Wagen ist viel zu laut“. Der Monteur nimmt den Umweg über Frankreich. Der zweite 911 R mit dem Leitenden Ingenieur Peter Falk und Motorenchef Paul Hensler nehmen daraufhin die Route über Österreich. Kommentar der Zöllner dort: „Bella Macchina“.

Am Dienstag, 31. Oktober, um 20 Uhr wird der Weltrekordversuch wieder aufgenommen. Vier Tage später, am 4. November, um 20 Uhr wird Erfolgsgeschichte geschrieben: Trotz miserablen Wetters liegt der Durchschnitt nach 96 Stunden und 20.086 Kilometern bei 209,23 km/h. Damit sind alle fünf Weltrekorde gebrochen.

Zurück

vorheriger Artikel
Monthléry 1951 – Erster Weltrekord für Porsche
nächster Artikel
Talladega 1975 – Donohues Weltrekordfahrt im 917/30