Logistik: Effiziente Welttournee

Im Fokus

Mit dem Einsatz der beiden hoch komplexen Porsche 919 Hybrid bei den Überseerennen der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft bewältigt das Porsche Team aus Weissach auch logistische Herausforderungen. Die Luftfracht für die Überseerennen summiert sich auf 30 Tonnen. Dennoch: Mitgenommen wird nur das Nötigste. Auf eine eigene Hospitality zum Beispiel verzichtet das Werksteam. Gegessen wird in der Fahrerlagerkantine.

Luftfracht ist kompliziert. Wie bei einem Tetris-Spiel muss optimal geschachtelt werden, um den vorhandenen Frachtraum inklusive seiner Schrägen auszunutzen. Die Grundfläche der Porsche-Fracht ist durch zwölf Einheiten definiert. Jede misst 304 mal 230 Zentimeter und darf das jeweils vorgeschriebene Gewicht nicht überschreiten, sonst werden Zusatzkosten zur Pauschale fällig. Dass es zwölf Einheiten sein müssen, wurde Monate im Voraus errechnet. Damit sich auf dieser Fläche alles verstauen lässt, was auf der mehrere tausend Positionen umfassenden Frachtliste steht, wurde bei jeder Anschaffung – ob Werkzeugschrank, Helm-verpackung oder Motorenkiste – die Tetris-Tauglichkeit bedacht. Und es gilt wie bei jedem Umzug: Das, was man vor Ort als erstes benötigt, sollte auch als erstes greifbar sein. Ein Dreitonnencontainer ist in einer von Fracht vollgestellten Boxengasse eine recht unverrückbare Tatsache. Nur perfekte Organisation ermöglicht den zeitgerechten Garagen- und damit den Fahrzeugaufbau.

Das LMP1-Team von Porsche reist mit zehn maßgefertigten Containern: sechs oben abgeschrägte namens Q7, zwei flachere mit der Bezeichnung Q6 und zwei für den unteren Frachtraum geformte Behälter (Winged Lower). Sie sind effizienter als alles Handelsübliche und sparen jede Menge Verpackungsmaterial im Vergleich zum herkömmlichen Stapeln auf Paletten. Sie können auch ohne Sicherungsnetz geladen werden, das ergibt weitere 1,3 Zentimeter Ladehöhe. Zehn leichte Aluminiumcontainer also. Die übrigen zwei Paletten nehmen Großteile auf wie das passgenaue Flightcase mit dem Rumpf des Ersatzchassis oder die 100 Felgen.

Jede der zwölf Einheiten trägt ein weltweit einzigartiges Nummernschild, und jedes innen verpackte Teil ist mit einem QR-Code ausgestattet – per Scanner wird erfasst, was sich wo aufhält. Diese penible Ordnung ist nicht nur der Kosten- und Arbeitseffizienz geschuldet. Auch der Zoll hat ein Informationsbedürfnis. Ob die Seriennummern der 100 Funkgeräte, die Anzahl der mitgenommenen Fahrwerksteile, Schraubenpäckchen oder Klebebandrollen – Porsche betreibt großen Aufwand, um alles zuverlässig zu dokumentieren. Das eingeführte Material muss auch wieder ausgeführt werden. Die Container werden geröntgt, und selbstverständlich kann der Zoll sie jederzeit komplett auspacken. Ein zeitlicher Puffer ist eingeplant.

Die beiden Porsche 919 Hybrid, passen nicht auf Paletten und werden im Flugzeug auf extra Car Racks verzurrt. Alle Flüssigkeiten sind abgelassen, empfindliche Karosserieteile wie Außenspiegel und Flügel anderswo sicher verpackt. Die Autos tragen Transportreifen.

Zwischen den Rennen treten einzelne Komponenten, beispielsweise die Getriebe zwecks Revision, Gabelflüge nach Deutschland an. Gefahrgut geht extra. Dazu gehören Leime, Harze, Spraydosen und die Lithium-Ionen-Batterien der Hybriden. Die Batterien brauchen vor Reiseantritt sogar die Genehmigung der Luftfahrtbundesämter der verschiedenen Staaten. Außerdem müssen Gefahrgüter vor und nach jeder Reise 48 Stunden in einem gesicherten Raum ruhen.

Manches transportiert das Team auch per Seefracht. Das ist erheblich günstiger, aber auch langsamer. Im August eingeschifftes Material kommt erst im Dezember zurück. Dann gleich dreifach. Denn aufgrund der großen Distanzen sind auf den Weltmeeren drei Sätze Seefracht unterwegs. Verschifft werden preiswerte, aber schwere Teile. Stählerne Absperrpfosten etwa. Anstatt 20 dieser bleischweren Tensatoren um die Welt zu fliegen, ist es günstiger, 60 Stück zu kaufen und auf Schiffe zu verladen. Es geht immer um Effizienz und Wirkungsgrad.

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