Brendon Hartley

Werksfahrer

„Ich hatte die besten Lehrmeister der Welt“, sagt Brendon Hartley über die drei zurückliegenden Jahre mit Timo Bernhard und Mark Webber. Der Neuseeländer kam zur Saison 2014 als Küken in das LMP1-Programm von Porsche. Erfrischend war schon sein Entrée: eine Initiativ-Bewerbung per Email beim Teamchef. „Als Porsche-Werksfahrer um den Gesamtsieg in Le Mans kämpfen zu können, ist so groß, das lässt sich kaum in Worte fassen“, sagt der Weltmeister von 2015. „Dort mit dieser Marke zu gewinnen, ist mein großes Ziel.“

Als 25-Jähriger wurde Hartley Teil eines ungleichen Trios: Bernhard war der Porsche-Mann und etablierte Langstrecken-Profi. Webber hatte 215 Formel-1-Grands-Prix und neun Siege auf dem Konto. Jugend, Routine, Prominenz – alles kam vorbehaltlos in einen Topf, wurde mit dem unbestreitbaren Speed aller drei Fahrer durchmischt und ergab ein besonderes Cuvée, das Freundschaft heißt. Hartley vergoss Tränen, als Webber zurücktrat. Er ist in diesem Dreigestirn gereift. Die Haare sind gestutzt, die Flügel sind gewachsen.

Als er 2008 erstmals in der Formel 1 auftauchte, wirkte er mit seiner blonden Mähne und den Baggy-Jeans eher wie ein angehender Rockstar als wie ein Testfahrer. Gitarre spielen kann er tatsächlich, aber in dem coolen Outfit des 19-Jährigen steckte ein scheuer Mensch mit 13 Jahren Rennerfahrung. Als Sechsjähriger begann er mit dem Kartsport, inspiriert von seinem Vater Bryan. Brendons großer Bruders Nelson, benannt nach Nelson Piquet, war schon zehn, als Brendon zum ersten Mal mitfahren durfte. Der Ältere war schneller, und der Jüngere erinnert sich heute noch an die folgende schlaflose Nacht. „Seitdem weiß ich, dass ich den Rennsport liebe und gewinnen will.“

In seiner Heimat Neuseeland stieg Brendon Hartley in den Formelsport ein. Er wuchs in Palmerston North auf der Nordinsel auf und fuhr im selben Kart-Club wie sein neuer Teampartner Earl Bamber – es gibt hinreißende Fotos von den beiden auf der Farm. Nach Siegesserien in der Formel Ford und weiteren Erfolgen war klar, dass er für eine weiterführende Karriere am falschen Ende der Welt lebte. Mit 16 sprang er ins kalte Wasser. Er bezog Quartier im Osten Deutschlands und fuhr in der Zweiliter-Formel-Renault die deutsche und die Europameisterschaft; 2007 gewann er die World Series by Renault. Eine prägende Zeit in der Fremde und in der harten Talentschmiede von Red Bull.

Ein Husarenritt gelang ihm 2008 beim Formel-3-Grand-Prix in Macau: Startplatz 20, Dritter im Ziel, schnellste Rennrunde. Trotzdem fiel er aus allen Wolken, als der Anruf von Red Bull kam, ob er den verletzten Webber bei einem Formel-1-Test vertreten könne. Er machte seine Sache gut. 83 Runden sind eine Tortur für einen Nacken, der diesen Kräften zum ersten Mal ausgesetzt ist. Er zog von Deutschland nach Milton Keynes, dort sprach man immerhin seine Sprache.

Bis einschließlich 2013 besaß er einen Formel-1-Vertrag – erst als Tester für Red Bull Racing, dann für das Mercedes-Team. Er wurde hoch geschätzt für seine Simulatorarbeit. Aber ein Rennfahrer muss Rennen fahren. 2012 nahm seine zweite Laufbahn im Langstreckensport Fahrt auf. European Le Mans Series, Grand Am, zwölf Stunden in Bathurst, 24 Stunden in Daytona und in Le Mans. „Als ich 2014 das erste Mal im Porsche-Overall ein Rennen fuhr, bin ich fast geplatzt vor Stolz“, erinnert sich der lange Kiwi. „Mit Mark und Timo Weltmeister zu werden, war riesig. Aber der Le-Mans-Sieg mit Porsche steht noch aus.“

Persönliches

Geburtsdatum: 10. November 1989
Geburtsort: Palmerston North (NZ)
Nationalität: Neuseeländer
Wohnort: Monaco (MC)
Größe/Gewicht: 1,84 m/65 kg
Hobbys: Mountainbike und Rennrad fahren
Internet: www.brendonhartley.nz
Twitter: @BrendonHartley
Le-Mans-Starts: 5

Brendon Hartley startet für Porsche mit dem Porsche 919 Hybrid in der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC einschließlich der 24 Stunden von Le Mans.

Karriere

2017

Porsche-Werksfahrer WEC, LMP1;
Gesamtsieg 24 Stunden von Dubai (Porsche 911 GT 3 R);
17. Platz gesamt 24 Stunden Daytona (Nissan-Prototyp)

2016

Porsche-Werksfahrer WEC, LMP1
4. Platz in der WM mit Bernhard/Webber,
4 Siege (Nürburgring, Mexiko Stadt, Austin, Shanghai),
2 Polepositions (Spa, Shanghai)

2015 Porsche-Werksfahrer WEC, LMP1
Fahrerweltmeister mit Bernhard/Webber,
4 Siege (Nürburgring, Austin, Fuji, Shanghai),
4 Polepositions, 2. Platz in Le Mans
2014 Porsche-Werksfahrer WEC, LMP1
3. Platz Silverstone, Fuji und Bahrain
2013 European Le Mans Series (LMP2)
Grand-Am-Series
24 Stunden Le Mans (LMP2)
12 Stunden Bathurst
24 Stunden Daytona
Formel-1-Simulatorfahrer (Mercedes AMG Petronas)
2012 3. Platz Spa (WEC, LMP2)
3. Platz Donington (ELMS, LMP2)
GP2 Series (2 Rennen)
Formel-1-Simulatorfahrer (Mercedes AMG Petronas)
2011 World Series by Renault 3.5 (4 Podien)
5. Platz Spa (GP2)
2010 Formel-1-Ersatzfahrer (Red Bull Racing, Scuderia Torro Rosso)
GP2 (2 Rennen)
World Series by Renault 3.5
2009 Formel-1-Testfahrer (Scuderia Torro Rosso)
Formula 3 Euroseries (1 Sieg)
World Series by Renault 3.5
Formel 3 Grand Prix Macau
2008 Formel-1-Testfahrer (Red Bull Racing)
3. Platz Britische Formel-3-Meisterschaft
(5 Siege, 12 Podien, 5 Poles)
3. Platz Formel 3 Grand Prix Macau (schnellste Runde)
5. Platz Formel 3 Masters in Zandvoort
2007 Gewinner World Series by Renault Eurocup 2.0
(5 Siege, 13 Podien, 7 Poles)
3. Platz Formel Renault 2.0 (Italien)
4. Platz Formel 3 Masters in Zandvoort
Formel 3 Grand Prix Macau
2006 Gewinner Dan Higgins Memorial Trophy in Neuseeland
Toyota Racing Series, Neuseeland
2005 1. Platz im ersten Rennen der Toyota Racing Series in Neuseeland
Gewinner des Elite Motorsport Academy Award
2004 Gewinner der Steel Trophy in Neuseeland
2003/04 2. Platz Formel-Ford-Meisterschaft Neuseeland (6 Siege)
Gewinner der Formel Ford Winter Series (7 Siege)
Jüngster Formel-Ford-Rennsieger (23.11.2003)
2002-2003 Kartsport