Nick Tandy

Werksfahrer

Wie erstarrt stand Nick Tandy am 14. Juni 2015 in der Boxengasse. Tränen liefen ihm über das Gesicht, TV-Teams hatten es schwer, ganze Sätze aus ihm herauszubringen. Soeben war er zusammen mit Nico Hülkenberg, der den 919 ins Ziel fuhr, und Earl Bamber Le-Mans-Sieger geworden. „Es hat eine Weile gedauert, bis ich das fassen konnte“, gibt er zu. „Dieser Erfolg hat mein Leben verändert. Innerhalb von Porsche insofern, als dass man mich vom GT-Programm zurückgeholt hat, als für 2017 ein Stammplatz im LMP1 frei wurde. Und außerhalb der Porsche-Welt auch. In England wird dieses Rennen als eines der größten der Welt verehrt. Man ist nicht mehr nur ein Rennfahrer, man wird als Le-Mans-Sieger wahrgenommen.“

Dass er mit dem Umstieg vom 911 RSR in den 919 Hybrid zurechtkommt, hat er 2015 eindrucksvoll bewiesen. „Der größte Unterschied ist der aerodynamische Anpressdruck bei hohen Geschwindigkeiten. Und natürlich ist die Bedienung des Hybriden komplizierter. Aber am Ende“, sagt der stets bescheidene Profi, „ist auch der 919 ein Rennwagen mit zwei Pedalen, einem Lenkrad und vier Rädern.“ Die Testfahrten Anfang 2017 nutzte er, um sich akribisch in den weiterentwickelten Hybrid-Rennwagen einzuarbeiten.

Nick Tandy wuchs auf einer Farm in Pavenham auf, einem kleinen Dorf in der Grafschaft Bedfordshire. Die ländliche Umgebung und der Zusammenhalt der Menschen haben ihn geprägt. Der junge Familienvater wohnt immer noch ganz in der Nähe. Wenn es seine Zeit erlaubt, hilft er seinen Eltern auf dem Hof und bei der Ernte oder kümmert sich um die Geschicke des Rennteams JTR. Es wurde gegründet von seinem Bruder Joe, der 2009 bei einem Autounfall starb. Mittlerweile tritt JTR im Porsche Carrera Cup Great Britain an.

Nicks Karriere begann 1996 bei den Oval Stock Cars und führte den Hobbygolfer und Mountainbiker über die Formel Ford in die Formel 3. Bei einem Gaststart im Porsche Carrera Cup Great Britain gelang ihm 2008 im ersten Rennen der erste Sieg. 2011 holte er den Titel im Porsche Carrera Cup Deutschland. 2012 gewann er als weltweit erfolgreichster Privatfahrer mit dem 911 den prestigeträchtigen Porsche Cup.

2013 belegte er, jetzt als Werksfahrer im 911 RSR, den dritten Platz beim 12-Stunden-Klassiker in Sebring. Danach gewann er die GT-Wertung beim Rennen der European Le Mans Series in Budapest und feierte mit dem GT-Sieg beim Petit Le Mans auf der anspruchsvollen Traditionsrennstrecke Road Atlanta einen weiteren großen Erfolg. Der nächste Höhepunkt im 911 RSR wurde der Klassensieg bei den 24 Stunden von Daytona 2014. Als Porsche einigen seiner GT-Piloten die Möglichkeit gab, den 919 zu testen, überzeugte er und sicherte sich einen Platz im damals dritten Einsatzauto für Le Mans. Beflügelt vom grandiosen Triumph an der Sarthe, gelang ihm 2015 noch eine weitere Sensation: Unter widrigsten Witterungsbedingungen holte er im 911 RSR gegen die Konkurrenz der stärkeren Prototypen auch noch den ersten Gesamtsieg für Porsche beim Petit Le Mans. Zu den Erwartungen an die Saison 2017 verweist er schlicht auf Tatsachen: „Wir sind jetzt drei Le-Mans-Sieger in einem Weltmeisterteam.“

Persönliches

Geburtsdatum: 05. November 1984
Geburtsort: Bedford (GB)
Nationalität: Brite
Wohnort: Bedford (GB)
Familienstand: verheiratet mit Brittany, zwei Kinder
Größe/Gewicht: 1,78 m/71 kg
Hobbys: Badminton, Dart, Golf, iRacing
Twitter: @NickTandyR
Le-Mans-Starts: 4 (1 Gesamtsieg)

Nick Tandy startet für Porsche mit dem Porsche 919 Hybrid in der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC einschließlich der 24 Stunden von Le Mans.

Karriere

2017

Porsche-Werksfahrer WEC, LMP1

2016

Porsche-Werksfahrer, GT
2. Platz 12 Stunden von Sepang, International GT Challenge;
IMSA SportsCar Championship: Klassensieg GTLM in Long Beach, 2. Platz Klasse GTLM in Austin

2015

Porsche-Werksfahrer,
Gesamtsieg 24 Stunden von Le Mans,
Gesamtsieg Petit Le Mans Road Atlanta,
3 Klassensiege TUSC GTLM (Bowmanville, Road America, Virginia)

2014 Porsche-Werksfahrer
1. Platz Klasse GTLM 24 Stunden von Daytona
2. Platz Klasse GTE-Pro WEC Silverstone
2013 Porsche-Werksfahrer
1. Platz Klasse GT Petit Le Mans (ALMS)
3. Platz Klasse GT 12 Stunden von Sebring (ALMS)
3. Platz Klasse GT in European Le Mans Series
2 Klassensiege ELMS GT (Silverstone, Budapest)
2012 Gewinner Porsche Cup
2. Platz International GT Open, 5 Siege
3. Platz Teamwertung ADAC GT Masters, 4 Siege
2011 Gewinner Porsche Carrera Cup Deutschland, 3 Siege
5. Platz Porsche Mobil 1 Supercup, 1 Sieg, 6 Podien
Porsche Carrera Cup Great Britain, 3 Siege
2010 2. Platz Porsche Mobil 1 Supercup, 3 Siege
2. Platz Porsche Carrera Cup Deutschland, 5 Siege
2009 10. Platz Britische Formel 3 Meisterschaft, 1 Sieg, 3 Podien
2008 9. Platz Britische Formel 3 Meisterschaft, 3 Podien
Porsche Carrera Cup Great Britain, 1 Sieg
2007 3. Platz Britische Formel Ford Meisterschaft, 6 Siege, 16 Podien
Gewinner des Formula Ford Festivals
Gewinner der Formel Palmer Audi Herbsttrophäe
Finalist McLaren Autosport BRDC Award
2006 2. Platz Britische Formel Ford Meisterschaft, 3 Siege, 11 Podien
2005 Gewinner BRDC Single Seater Series, 11 Siege
Gewinner des Silverstone Scholarship
1996-2004 Short Oval Stock Cars (Britischer Meister 1999 und 2000) und Mini Se7en Championship (Meister 2003).