1978 - 1987

Historie

1978

Finale: Tracy Austin (USA) - Betty Stove (NL) 6:3 6:3
Siegerpreis: Porsche 924
Preisgeld: 35.000 US Dollar

Aller Anfang ist schwer: Dieter Fischer, der seine neue Tennisanlage in Filderstadt-Plattenhardt zu einem Treff der Weltklasse machen wollte, hatte auf der Suche nach finanzieller Unterstützung an viele Türen vergeblich geklopft. Bei Lars Schmidt, damals als Vertriebschef Mitglied des Vorstands der Porsche AG, fand er Einlass, Gehör und Gefallen an der überzeugenden Idee, auf den Fildern ein besonderes Sportereignis mit individueller Note entstehen zu lassen. „Ihm", sagt der Turnierbesitzer heute, „habe ich das Turnier zu verdanken." Den Kontakt hatte der damalige Porsche-Rennleiter Manfred Jantke hergestellt.

1979

Frauen-Finale: Tracy Austin (USA) - Martina Navratilova (USA) 6:2 6:0
Siegerpreis: Porsche 924 Turbo
Preisgeld: 100.000 US Dollar

Der heiße Tipp kam vom damaligen ZDF-Sportchef Hajo Friedrichs: Warum für die Zukunft nicht auf die Damen setzen und das schwache Geschlecht stark machen? Dieter Fischer beriet am Rande des Turniers mit seinen Sponsoren und entschied sich für klare Verhältnisse: Damen-Wahl. Prompt folgte die erste Auszeichnung durch die Womens Tennis Association WTA für die beste Organisation aller 32 Grand-Prix-Turniere in der Colgate-Serie.

Herren-Finale: Wojtek Fibak (PL) - Guillermo Vilas (ARG) 6:2 6:2 3:6 6:3
Siegerpreis: Porsche 928
Preisgeld: 75.000 US Dollar

Nein, das ist kein Missverständnis: Tatsächlich mischten ein Mal in der Geschichte des Porsche Tennis Grand Prix die Herren mit. Für die größte Aufregung sorgte einer, weil er nicht kam: Ivan Lendl, damals an Nummer sechs gesetzt, musste 1000 Dollar Bußgeld an die ATP zahlen. Der argentinische Tennis-Poet Guillermo Vilas war der Star der Stories in den Zeitungen - bis Wojtek Fibak ihn im Endspiel besiegte und einen Porsche 928 für ein Jahr fahren durfte. Dann wurde der Sportwagen von der Spielergewerkschaft ATP meistbietend versteigert.

1980

Finale: Tracy Austin (USA) - Sherry Acker (USA) 6:2 7:5
Siegerpreis: Porsche 924 Turbo
Preisgeld: 125.000 US Dollar

Die Amerikanerin Tracy Austin erstaunte mit ihrem Hat-Trick in Filderstadt - aber noch mehr Beachtung fand ein 15jähriger Teenager mit Zahnspange, taillenlangen Rattenschwänzen und der stoischen Spieleffektivität einer computergesteuerten Schlaghand. "Wunderkind" Andrea Jaeger katapultierte Deutschlands Beste, Sylvia Hanika, aus dem Wettbewerb und entfachte die Diskussion um die Belastbarkeit junger Tennistöchter ehrgeiziger Eltern.

1981

Finale: Tracy Austin (USA) - Martina Navratilova (USA) 4:6 6:3 6:4
Siegerpreis: Porsche 944
Preisgeld: 125.000 US Dollar

Auch Tracy Austin war ein Kind, als sie 1978 als erste Porsche-Tennis-Grand-Prix-Siegerin gefeiert wurde. Die Mutter war immer dabei, der Papa hatte als Atomphysiker keine Zeit dafür. Und das Spiel machte sie schnell erwachsen: Sie war 18 Jahre alt und Dritte der Weltrangliste, hatte 23 Turniersiege und als jüngste Spielerin der Geschichte die US Open gewonnen, als sie ihren vierten Porsche erkämpfte und der Fuhrpark für die Familie komplett war. Dem Veranstalter hinterließ sie herzliche Zeilen - nicht für den Erfolg, sondern für das Wohlgefühl: „Jede Spielerin fühlt, dass sie hier zu Hause ist. Vielen Dank, Eure Tracy.“

1982

Finale: Martina Navratilova (USA) - Tracy Austin (USA) 6:3 6:3
Siegerpreis: Porsche 911 SC Cabriolet
Preisgeld: 125.000 US Dollar

Die Wachablösung: Noch einmal erreichte die Prinzessin von Filderstadt das Finale, aber den Sieg musste sie der Tenniskönigin der folgenden Jahre, Martina Navratilova, überlassen. Die Wahl-Amerikanerin fuhr im 911 Cabriolet aus dem Centre Court. Im Porsche kam übrigens auch Sylvia Hanika nach Filderstadt - allerdings hat sie nie einen gewonnen. Auch 1982 nicht, dem Jahr, in dem sie im Masters-Finale in New York die Weltranglisten-Erste und Filderstadt-Gewinnerin Martina Navratilova besiegte. Noch ein Wort zu Tracy Austin: Mit 21 Jahren war ihre Karriere vorbei. Dafür hat eine andere große Karriere begonnen: Ein schüchternes 13-jähriges Mädchen namens Steffi Graf spielte zum ersten Mal bei einem so großen Turnier, traf gleich in der ersten Runde auf Tracy Austin. Von ihr, da waren sich trotz der Niederlage alle einig, würde man noch viel hören. Und so kam es dann auch.

1983

Finale: Martina Navratilova (USA) - Catherine Tanvier (FRA) 6:1 6:2
Siegerpreis: Porsche 911 Carrera Cabriolet
Preisgeld: 150.000 US Dollar

Martina Navratilova regierte die Tennis-Welt - und Filderstadt: 72 Erfolge notierte die 27jährige in einem Jahr und blickte nachdenklich vom Thron herab: „Wenn jeder Schritt in jede Richtung nur noch nach unten geht, dann ist man oben. Das ist der Zeitpunkt für den Rücktritt.“ Sie vollzog ihn - einstweilen - nicht. Steffi Graf war auch wieder da, verlor diesmal in Runde zwei gegen Jo Durie 0:6, 3:6.

Das Turnier freute sich an einem neuen Zuschauerrekord (über 16.000), Dieter Fischer schrieb erstmals schwarze Zahlen und musste doch Kritik ertragen: Aus dem Familienfest für die Weltklasse, so der Vorwurf, drohe eine Showveranstaltung für die feine Gesellschaft zu werden. Zu viel Champagner-Duft gefiel freilich auch den Sponsoren nicht. Man einigte sich auf eine Kurskorrektur zur rechten Zeit: Filderkraut ist eine feine Sache. Das Gerücht, Titelsponsor Porsche plane einen Umzug in die Stuttgarter Schleyer-Halle, kochte über. Wahr wurde es dadurch nicht.

1984

Finale: Catarina Lindqvist (SWE) - Steffi Graf (GER) 6:1 6:4
Siegerpreis: Porsche 911 Carrera Cabriolet
Preisgeld: 150.000 US Dollar

Das Turnier sonnte sich in öffentlichem Lob für seine wieder gewonnene Bescheidenheit und bekam großzügig Kredit für die Tatsache, dass das Teilnehmerfeld in diesem Jahr nicht ganz so hochkarätig besetzt war: „Eine Normalität, die ihm gut tat.“ Normal halt für Filderstadt: Das natürliche, fröhliche und doch eigenwillige Gesicht des Porsche Tennis Grand Prix hielt jede Menge Überraschungen bereit. Mit Claudia Kohde-Kilsch, Bettina Bunge und Eva Pfaff erreichten drei deutsche Spielerinnen das Viertelfinale. Und die 15jährige Steffi Graf - auf Rang 42 der Weltrangliste - erlebte ihren Durchbruch als Profi mit dem Einzug ins Endspiel. Die Brühlerin freute sich über ihr „schönstes Turniererlebnis“ - und Dieter Fischer übte sich als Wahrsager: „Ein neuer Weltstar ist hier geboren worden.“

1985

Finale: Pam Shriver (USA) - Catarina Lindqvist (SWE) 6:1 7:5
Siegerpreis: Porsche 911 Carrera Cabriolet Turbolook
Preisgeld: 175.000 US Dollar

"Porsche oder Geld?" fragte Hans-Joachim Stuck beim Siegerinterview auf dem Centre-Court keck - und Pam Shriver entschied sich sehr zur Freude des Rennfahrers und Gast-Moderators spontan und ohne zu Zögern für das wunderschöne Cabriolet. Professor Dr. Ferry Porsche überreichte der Amerikanerin den Schlüssel. Sie drehte ein paar Runden - und als Stuck ihr galant das Gefährt über die schmale Rampe aus der Halle chauffierte, drohte sie energisch: „Pass bloß auf mein Auto auf.“ Dass flinke Tennis-Damen schnelle Runden in flotten Sportwagen lieben, ist eine alte Porsche-Erfahrung: Das Angebot, auf der Teststrecke im Entwicklungszentrum in Weissach Tempo und Technik zu spüren, wurde immer dankbar angenommen.

1986

Finale: Martina Navratilova (USA) - Hana Mandlikova (AUS) 6:2 6:3
Siegerpreis: Porsche 911 Carrera Cabriolet
Preisgeld: 175.000 US Dollar

Lauter Jubiläen: Beim zehnten Porsche Tennis-Grand-Prix feierte Martina Navratilova ihren 30. Geburtstag, ihren 1000. Sieg und ihren dritten Turniererfolg in Filderstadt. Ihre Freundin Judy Nelson muss an Letzterem zumindest gezweifelt haben - denn sie schenkte dem Publikumsliebling vorsichtshalber schon ein blaues Carrera Cabrio in Spezialausführung zum runden Wiegenfest am Tag vor dem Finale. Das andere Cabriolet erwarb sie redlich gegen Hana Mandlikova, die übrigens in der gemeinsamen Geburtsheimat ganz früher ihr Ballmädchen gewesen war.

Zum Turnierjubiläum verwandelte Dieter Fischer Platz eins in eine schwäbische Besenwirtschaft und bewirtete seine Gäste mit Hausmannskost aus dem Ländle. Auch für den Gastgeber gab es in diesem Jahr eine Ehrung: Ministerpräsident Lothar Späth verlieh ihm das Bundesverdienstkreuz für seine Verdienste um die Gemeinde und die Region Filderstadt. Die gefeierte Dame und der gefeierte Herr tranken übrigens Brüderschaft - und davon zeugt ein Foto mit einer Widmung von Martina Navratilova: „Lieber Dieter, ich stehe noch - und Du? In Liebe, Martina.“

1987

Finale: Martina Navratilova (USA) - Chris Evert (USA) 7:5 6:1
Siegerpreis: Porsche 911 Carrera Cabriolet
Preisgeld: 175.000 US Dollar

In diesem Jahr zog Martina Navratilova als viermalige Turniergewinnerin mit Tracy Austin gleich. Dafür bezwang sie in einem der aufregendsten und hochklassigsten Matches der Turniergeschichte ihre langjährige Kontrahentin und Wegbegleiterin Chris Evert. Wie alle Jahre war der Centre-Court ausverkauft - und unter den Zuschauern erblickte man schon Jahr für Jahr immer wieder die gleichen vertrauten Gesichter: Stammgäste aus nah und fern - und auch solche, die man aus den Prominentenspalten kennt. Ob Politiker, Manager aus der Wirtschaft und Industrie, ob Fußballprofis oder Club-Präsidenten (wie Axel Dünnwald-Metzler von den Stuttgarter Kickers oder Gerhard Mayer-Vorfelder vom VfB Stuttgart), ob Skirennläufer wie Hansi Hinterseer, Christa Kinshofer oder die Epple-Schwestern, ob Rennfahrer wie Jacky Ickx oder Jochen Mass, oder ob Golfchampions wie Bernhard Langer: Man kam auf einmal nicht mehr, um gesehen zu werden, sondern um in angenehm vertrauter Atmosphäre selbst etwas Spezielles zu sehen. Zum Beispiel: Frauen-Tennis im Weltklasseformat.

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